Auf einen Blick
- Ein gutes Skript beantwortet genau eine Frage für genau eine Zielgruppe.
- Bewährter Aufbau: Problem, Lösung, Ablauf, nächster Schritt.
- Für gesprochene Sprache schreiben: kurze Sätze, keine Schachtelsätze, keine Fachwörter ohne Erklärung.
- Das Skript laut vorlesen und mit der Stoppuhr messen – erst dann ist es fertig.
Warum das Skript so wichtig ist
Animation, Sprecher und Musik setzen nur um, was im Skript steht. Ein unklarer Text wird durch schöne Bilder nicht klarer. Umgekehrt trägt ein guter Text auch ein schlicht gestaltetes Video.
Das Skript ist außerdem der günstigste Ort für Änderungen. Ein Satz im Textdokument ist in Sekunden umgeschrieben. Derselbe Satz in einer fertigen Animation bedeutet neue Sprachaufnahme, neue Bilder, neuen Schnitt. Wer am Skript gründlich arbeitet, spart später Zeit und Geld.
Schritt 1 und 2: Kernfrage und Zuschauer festlegen
Schritt 1 – Die eine Frage. Schreiben Sie in einem Satz auf, welche Frage das Video beantwortet. Zum Beispiel: „Wie läuft ein Innenanstrich bei Ihnen ab, und was muss ich vorbereiten?“ Wenn Sie zwei Fragen haben, machen Sie zwei Videos.
Schritt 2 – Wer schaut zu? Beschreiben Sie den typischen Zuschauer so konkret wie möglich. Eine Mieterin, die vor dem Einzug renovieren lässt, hat andere Sorgen als eine Hausverwaltung mit zwanzig Wohnungen. Notieren Sie:
- Was weiß diese Person schon?
- Was befürchtet sie? (Dreck, Lärm, Kosten, Termine)
- Was soll sie nach dem Video tun? (anrufen, Formular ausfüllen, Fotos schicken)
Schritt 3 und 4: Aufbau und erste Fassung
Schritt 3 – Der Aufbau. Für die meisten Erklärvideos funktioniert diese Reihenfolge:
- Einstieg mit dem Problem (etwa 10 Sekunden): Der Zuschauer erkennt sich wieder.
- Die Lösung (etwa 10 Sekunden): Was Sie anbieten, in einem Satz.
- Der Ablauf (etwa 30 Sekunden): Drei bis vier Schritte, konkret und in Reihenfolge.
- Der nächste Schritt (etwa 10 Sekunden): Was der Zuschauer jetzt tun soll.
Schritt 4 – Die erste Fassung. Schreiben Sie so, wie Sie am Telefon sprechen würden. Regeln für gesprochene Texte:
- Ein Gedanke pro Satz.
- Verben statt Hauptwörter: „Wir decken ab“ statt „Die Abdeckung erfolgt“.
- Sprechen Sie den Zuschauer direkt an.
- Keine Zahlen, die sich bald ändern, etwa Preise oder Wartezeiten.
- Fachwörter nur, wenn Sie sie im selben Satz erklären.
Schritt 5 und 6: Kürzen und laut testen
Schritt 5 – Kürzen. Die erste Fassung ist fast immer zu lang. Streichen Sie alles, was die Kernfrage nicht beantwortet: Firmengeschichte, Auszeichnungen, allgemeine Sätze wie „Qualität ist uns wichtig“. Prüfen Sie jeden Satz mit der Frage: Würde der Zuschauer ihn vermissen?
Schritt 6 – Laut vorlesen. Lesen Sie das Skript in ruhigem Tempo laut vor und stoppen Sie die Zeit. Lassen Sie Pausen zwischen den Abschnitten, denn im Video braucht das Bild Zeit, um zu wirken. Stolpern Sie über einen Satz, wird es der Sprecher auch tun. Formulieren Sie ihn um.
Lassen Sie anschließend eine Person aus Ihrer Zielgruppe zuhören, die Ihren Betrieb nicht kennt. Fragen Sie danach: Was haben Sie verstanden? Was würden Sie jetzt tun? Wenn die Antworten zu Ihrer Kernfrage passen, ist das Skript fertig.
Beispiel-Skript: Malerbetrieb (erfundenes Beispiel)
Hinweis: Das folgende Skript ist ein frei erfundenes Beispiel für einen fiktiven Malerbetrieb. Es dient nur zur Veranschaulichung.
Kernfrage: Wie läuft ein Innenanstrich ab, und was muss ich vorbereiten?
Zuschauer: Privatleute, die eine Wohnung oder einzelne Räume streichen lassen wollen.
| Teil | Sprechertext | Bild |
|---|---|---|
| Problem | Sie wollen Ihre Wohnung streichen lassen. Aber Sie fragen sich: Wie viel Chaos bringt das? Und was muss ich vorher selbst tun? | Wohnzimmer mit Möbeln, Person schaut fragend an die Wand. |
| Lösung | Wir vom Malerbetrieb Muster übernehmen das für Sie – sauber und mit festem Termin. | Logo, Malerteam mit Abdeckfolie. |
| Ablauf 1 | Zuerst kommen wir vorbei, schauen uns die Räume an und besprechen Farben. Danach bekommen Sie ein schriftliches Angebot. | Besichtigung, Farbfächer, Angebot auf dem Tisch. |
| Ablauf 2 | Vor dem Termin räumen Sie bitte Kleinteile und Bilder weg. Große Möbel rücken wir zusammen und decken sie ab. | Checkliste mit drei Häkchen, abgedecktes Sofa. |
| Ablauf 3 | Wir kleben ab, spachteln kleine Löcher und streichen. Ein normales Zimmer ist meist an einem Tag fertig. | Zeitraffer: Abkleben, Spachteln, Streichen. |
| Ablauf 4 | Zum Schluss räumen wir auf und gehen mit Ihnen gemeinsam durch den Raum. | Sauberes Zimmer, Abnahme mit Kundin. |
| Nächster Schritt | Schicken Sie uns einfach ein paar Fotos Ihrer Räume über das Formular auf unserer Website. Wir melden uns mit einem Terminvorschlag. | Handy mit Foto, Formular, Telefonnummer. |
Das Beispiel hat rund 120 Wörter. Ob es in Ihrem Tempo in 60 Sekunden passt, zeigt nur der Test mit der Stoppuhr. Die Angabe „meist an einem Tag“ müsste ein echter Betrieb natürlich an seine eigene Erfahrung anpassen.
Vom Skript zum Storyboard: Bild und Text zusammen denken
Ein Erklärvideo besteht aus zwei Spuren: dem, was man hört, und dem, was man sieht. Beide müssen zusammenpassen. Deshalb lohnt es sich, schon beim Schreiben eine zweite Spalte für das Bild anzulegen, wie im Beispiel oben.
Ein paar Grundregeln für das Zusammenspiel:
- Das Bild zeigt, was der Text sagt. Wenn der Sprecher „Wir decken Ihre Möbel ab“ sagt, sollte genau das zu sehen sein. Widersprechen sich Bild und Ton, verliert der Zuschauer den Faden.
- Das Bild ergänzt, statt zu wiederholen. Zahlen, Termine oder Kontaktdaten müssen nicht vorgelesen werden, wenn sie gut lesbar eingeblendet sind. Umgekehrt muss nicht jeder gesprochene Satz als Text im Bild stehen.
- Ein Bild pro Gedanke. Wechselt der Gedanke, wechselt auch das Bild. So bekommt das Video einen ruhigen Rhythmus.
- Pausen einplanen. Nach einem wichtigen Satz braucht das Bild ein bis zwei Sekunden, um zu wirken. Planen Sie diese Pausen schon im Skript ein.
Aus der Bildspalte entsteht später das Storyboard: eine Folge einfacher Skizzen, die zeigen, was in jeder Szene passiert. Es muss nicht schön gezeichnet sein. Strichmännchen und Pfeile reichen, damit alle Beteiligten dieselbe Vorstellung haben.
Lesen Sie das Skript am Ende noch einmal mit dem Storyboard daneben. Stimmen die Bilder zu jedem Satz? Gibt es Stellen, an denen zu viel auf einmal passiert? Sind alle Szenen umsetzbar, ohne dass Sie zum Beispiel echte Kundenwohnungen zeigen müssen, für die Sie keine Erlaubnis haben?
Denken Sie auch an Untertitel: Viele Menschen sehen Videos ohne Ton. Kurze, klare Sätze lassen sich gut untertiteln, verschachtelte Sätze dagegen schlecht. Das ist ein weiterer Grund, für das Ohr zu schreiben. Prüfen Sie zum Schluss, ob das Video auch dann verständlich bleibt, wenn jemand nur die Untertitel liest und die Bilder sieht.
Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- Zu viel auf einmal: Alle Leistungen in einem Video. Lösung: ein Video pro Frage.
- Werbesprache: „Ihr kompetenter Partner für alle Fälle“ sagt nichts. Lösung: konkret beschreiben, was passiert.
- Kein nächster Schritt: Der Zuschauer weiß am Ende nicht, was er tun soll. Lösung: eine klare Handlung nennen.
- Text und Bild passen nicht zusammen: Der Sprecher erzählt etwas anderes, als zu sehen ist. Lösung: Bildspalte direkt neben den Text schreiben, wie im Beispiel.
- Versprechen, die nicht haltbar sind: „Immer am nächsten Tag fertig.“ Lösung: vorsichtig formulieren, etwa „meist“ oder „in der Regel“.
Wenn Sie das Skript lieber gemeinsam entwickeln möchten: Bei einem Erklärvideo von ZEIGWERK sind Skript und Storyboard enthalten, und Sie geben jeden Schritt frei, bevor es weitergeht.
Checkliste
- Kernfrage in einem Satz notiert
- Typischen Zuschauer mit Vorwissen und Sorgen beschrieben
- Aufbau Problem – Lösung – Ablauf – nächster Schritt eingehalten
- Kurze Sätze, aktive Verben, direkte Ansprache
- Preise und schnell veraltende Angaben entfernt
- Bildideen neben jeden Satz geschrieben
- Skript laut vorgelesen und Zeit gemessen
- Von einer betriebsfremden Person gegenlesen lassen
Häufige Fragen
Wie viele Wörter passen in 60 Sekunden?
Das hängt vom Sprechtempo und von den Pausen ab. Verlassen Sie sich nicht auf Faustregeln, sondern lesen Sie das Skript in ruhigem Tempo laut vor und messen Sie die Zeit.
Soll ich den Firmennamen am Anfang nennen?
Besser nicht als Erstes. Der Einstieg sollte das Problem des Zuschauers aufgreifen. Der Firmenname passt gut zur Lösung und noch einmal am Ende.
Darf ich echte Kundenstimmen ins Skript schreiben?
Nur, wenn die Kunden das tatsächlich so gesagt haben und der Verwendung zugestimmt haben. Erfundene Zitate sollten Sie nicht verwenden.
Allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Stand 2026-10.