Auf einen Blick
- Für Betriebe funktionieren Einblicke in echte Arbeit besser als Trends und Tänze.
- Ein Handy, ruhiges Licht und guter Ton reichen für den Anfang.
- Geschäftliche Profile brauchen ein leicht erreichbares Impressum, etwa über den Link im Profil.
- Musik aus der App ist nicht automatisch für gewerbliche Nutzung freigegeben – im Zweifel Originalton nutzen.
Brauchen kleine Betriebe überhaupt Kurzvideos?
Nicht jeder Betrieb muss auf jeder Plattform sein. Kurzvideos lohnen sich vor allem, wenn Ihre Arbeit sichtbar ist und Menschen gerne zuschauen: ein Dach, das neu gedeckt wird, ein Möbelstück, das entsteht, ein Garten vorher und nachher. Auch für die Suche nach Auszubildenden sind kurze Einblicke in den Arbeitsalltag hilfreich, weil junge Menschen sich dort informieren.
Weniger sinnvoll sind Kurzvideos, wenn Sie keine Zeit für regelmäßige Beiträge haben oder Ihre Leistung kaum zu zeigen ist. Dann ist eine gut gepflegte Website mit aktuellem Google-Profil oft wichtiger. Kurzvideos ersetzen keine Website. Sie führen im besten Fall Menschen dorthin.
Fragen Sie sich vor dem Start ehrlich: Wen wollen Sie erreichen? Neue Kunden aus der Umgebung, Bestandskunden, die Sie an sich erinnern möchten, oder künftige Mitarbeiter? Je nach Ziel unterscheiden sich Themen und Plattform. Wer Auszubildende sucht, zeigt den Arbeitsalltag und das Team. Wer Kunden gewinnen will, zeigt Ergebnisse und beantwortet Fragen. Beides gleichzeitig zu versuchen, ist möglich, macht die Planung aber schwieriger.
Welche Themen funktionieren für Betriebe?
Sie müssen nicht witzig oder laut sein. Bewährt haben sich Formate, die echte Arbeit zeigen und eine Frage beantworten:
- Vorher – nachher: Ein Raum, eine Fassade, ein Auto, eine Frisur. Kurz, klar, ohne viele Worte.
- Ein Arbeitsschritt erklärt: Warum wird vor dem Streichen grundiert? Was passiert bei der Inspektion?
- Häufige Fragen: Eine Frage, die Kunden oft stellen, in 30 Sekunden beantwortet.
- Menschen im Team: Die neue Auszubildende stellt sich vor, der Meister zeigt sein Lieblingswerkzeug.
- Ein Tag im Betrieb: Kurze Szenen vom Morgen bis zum Feierabend.
Notieren Sie zehn Fragen, die Kunden Ihnen regelmäßig stellen. Das sind zehn Videoideen.
Wie drehen Sie mit dem Handy?
- Hochformat: Instagram Reels, TikTok und YouTube Shorts sind auf Hochkant-Videos ausgelegt. Halten Sie das Handy senkrecht.
- Licht: Drehen Sie mit Tageslicht von vorne oder von der Seite, nicht gegen das Fenster.
- Ton: Schlechter Ton stört mehr als ein unscharfes Bild. Ein einfaches Ansteckmikrofon hilft, besonders in lauten Werkstätten.
- Ruhe: Handy abstützen oder ein kleines Stativ nutzen.
- Die ersten Sekunden: Zeigen Sie gleich zu Beginn, worum es geht. Begrüßungen und Logos am Anfang kosten Aufmerksamkeit.
- Untertitel: Viele schauen ohne Ton. Die meisten Apps können Untertitel erzeugen – prüfen Sie diese auf Fehler.
Perfektion ist nicht nötig. Ein ehrliches, klares Video aus der Werkstatt wirkt oft glaubwürdiger als eine Hochglanzproduktion.
Was gilt rechtlich?
Drei Punkte sollten Sie kennen. Das ist keine Rechtsberatung; bei Fragen wenden Sie sich an Ihre Kammer oder einen Anwalt.
- Impressum: Wer ein Profil geschäftlich nutzt, braucht nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) eine Anbieterkennzeichnung. In der Praxis wird dafür ein klar beschrifteter Link im Profil auf das Impressum der Website genutzt. Es sollte leicht und schnell erreichbar sein.
- Menschen im Bild: Bildnisse dürfen nach § 22 Kunsturhebergesetz grundsätzlich nur mit Einwilligung der gezeigten Personen verbreitet werden. Das gilt für Mitarbeiter ebenso wie für Kunden. Das Bundesarbeitsgericht hat 2015 entschieden, dass die Einwilligung von Arbeitnehmern schriftlich erfolgen muss. Holen Sie sie vor dem Dreh ein.
- Musik: Die Musikbibliotheken der Apps sind nicht automatisch für Werbung und gewerbliche Nutzung freigegeben. Für Unternehmenskonten gelten oft eingeschränkte Bibliotheken. Prüfen Sie die Musikrichtlinien der jeweiligen Plattform oder verzichten Sie auf Musik und nutzen den Originalton aus dem Betrieb.
Achten Sie außerdem darauf, was im Hintergrund zu sehen ist: Kundendaten auf dem Bildschirm, Kennzeichen, Adressen an Briefkästen.
Wie viel Zeit brauchen Sie wirklich?
Ohne Team ist Regelmäßigkeit wichtiger als Menge. Ein realistischer Rhythmus für kleine Betriebe:
- Einmal im Monat eine Stunde planen: Themen für die nächsten Wochen festlegen.
- Nebenbei drehen: Wenn ein passender Moment auf der Baustelle oder in der Werkstatt kommt, kurz filmen. Mehrere Videos auf Vorrat sammeln.
- Einmal pro Woche schneiden und veröffentlichen: Mit einer Schnitt-App direkt auf dem Handy.
Bestimmen Sie eine Person, die zuständig ist, und planen Sie feste Zeit dafür ein. Videos, die „irgendwann“ gemacht werden, entstehen meist nie.
Ein einfacher Ablauf für ein 30-Sekunden-Video
Viele Betriebe scheitern nicht am Drehen, sondern daran, dass jedes Video wie ein neues Projekt wirkt. Ein fester Ablauf hilft. So kann ein Video aus der Werkstatt entstehen:
- Thema in einem Satz: Zum Beispiel „Warum wir vor dem Fliesenlegen den Boden prüfen“.
- Drei Szenen festlegen: Problem zeigen, Arbeitsschritt zeigen, Ergebnis zeigen. Mehr braucht ein kurzes Video selten.
- Drehen: Jede Szene einige Sekunden länger filmen als nötig, damit beim Schneiden Spielraum bleibt. Ein bis zwei Sätze direkt in die Kamera sprechen oder später als Sprachaufnahme ergänzen.
- Schneiden: In einer Schnitt-App die besten Sekunden auswählen, Anfang straffen, Untertitel ergänzen.
- Text zum Beitrag: Zwei, drei Sätze, die erklären, was zu sehen ist, und ein Hinweis auf die Website oder die Telefonnummer.
- Prüfen: Sind alle gezeigten Personen einverstanden? Ist im Hintergrund nichts zu sehen, was nicht in die Öffentlichkeit gehört?
Mit etwas Übung dauert so ein Video vom Dreh bis zur Veröffentlichung oft nicht länger als eine halbe Stunde. Die ersten Videos brauchen länger – das ist normal.
Ein Tipp für den Anfang: Drehen Sie mehrere Videos an einem Tag, an dem ohnehin etwas Sehenswertes passiert, und veröffentlichen Sie sie über mehrere Wochen verteilt. So entsteht ein Vorrat, und Sie geraten nicht unter Druck, wenn im Alltag wenig Zeit bleibt.
Auch Kommentare gehören dazu. Wenn jemand unter einem Video eine Frage stellt, antworten Sie freundlich und zeitnah. Oft entsteht aus einer solchen Frage das nächste Video. Kritische Kommentare beantworten Sie sachlich – so, wie Sie es auch am Telefon tun würden.
Schauen Sie nach einigen Wochen, welche Videos besonders oft angesehen oder kommentiert wurden. Daraus lernen Sie mehr als aus allgemeinen Ratgebern.
Wie verbinden Sie Videos mit Website und Google-Profil?
Ein Kurzvideo verschwindet nach einigen Tagen aus dem Blickfeld. Auf Ihrer Website und im Google-Profil arbeitet es länger:
- Gute Videos auch im Google-Unternehmensprofil hochladen.
- Erklärende Videos auf der passenden Leistungsseite einbinden.
- Ausbildungsvideos auf der Karriereseite zeigen.
- Im Profil auf die Website verlinken, damit Interessierte mehr erfahren und Sie erreichen können.
Wenn Ihnen die Zeit für regelmäßige Inhalte fehlt: ZEIGWERK bietet ein Content-Abo mit kurzen Social- und Website-Videos, Ratgeber-Artikeln und Google-Beiträgen an – zum festen Monatspreis nach Umfang.
Checkliste
- Zehn häufige Kundenfragen als Videoideen notiert
- Zuständige Person und feste Zeit pro Woche festgelegt
- Impressum über beschrifteten Link im Profil erreichbar
- Schriftliche Einwilligungen der gezeigten Mitarbeiter liegen vor
- Musikrechte geprüft oder Originalton verwendet
- Hintergrund auf Kundendaten und Adressen kontrolliert
- Untertitel geprüft
- Gute Videos auch auf Website und im Google-Profil eingebunden
Häufige Fragen
Auf welcher Plattform sollte ich anfangen?
Dort, wo Ihre Kunden oder künftigen Auszubildenden unterwegs sind. Fangen Sie mit einer Plattform an und machen Sie diese regelmäßig, statt drei Kanäle halbherzig zu bespielen.
Wie lang sollte ein Kurzvideo sein?
So lang, wie der Inhalt trägt. Für einen einzelnen Arbeitsschritt oder eine Frage reichen oft 15 bis 45 Sekunden. Wichtig ist, dass die ersten Sekunden zeigen, worum es geht.
Kann ich dasselbe Video auf mehreren Plattformen nutzen?
Grundsätzlich ja. Achten Sie aber auf Musik: Eine in einer App lizenzierte Musik gilt nicht automatisch auf anderen Plattformen. Mit Originalton sind Sie flexibler.
Allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Stand 2026-10.